Bericht von der UX-Konferenz in München

Martin KretschmerMartin Kretschmer – 09. April 2015

Bericht von der UX-Konferenz in München

Martin KretschmerMartin Kretschmer – 09. April 2015

Ende März 2015 reisten 80% von Blanko nach München, um an der UX MUNICH 2015 teilzunehmen.

Nach einem überlangen Mittwoch ging es am Donnerstag früh und pünktlich im wunderbaren Künstlerhaus mitten in der Münchener Innenstadt los. Ein wunderschönes restauriertes Gebäude in perfekter Lage (Food, HbF, U-Bahn) bot einen hervorragenden Kontrast zur digitalen Themenwelt der Konferenz.

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INFRASTRUKTUR
Die beiden Tage wurden organisatorisch von den Volunteers der “refresh munich” gestemmt und ich habe an der Infrastruktur (fast) nichts zu kritisieren. Wunderbare Location, ausreichend Kaffee, Tee und Getränke sowie Obst, Brötchen, Brezel und Kuchen.

Einen Punkt hätte man besser machen können: Das Wlan. Es sollte immer bei einer “Digitalkonferenz” vorhanden sein.
Nein, das Argument “unterhaltet euch” ist und bleibt Bullshit. Sei es, weil internationale Gäste eben keine 3G Flatrate haben oder auch, weil man gerne Apps in der Cloud zur Dokumentation nutzen möchte oder Kunden kontaktieren muss. Eigentlich ein Punkt, der nicht mehr erwähnenswert sein sollte.

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PUBLIKUM
Das Publikum war – wie bei einer Konferenz zu “softeren” Themen wie Design, UX und (meist Frontend) Development erwartbar – gut gemischt in Bezug auf Gender, Alter und Herkunft. Der gefühlte, angloamerikanischen Anteil an Teilnehmern war echt hoch. Dies verwundert nicht, da München einige dicke Player wie BMW, Google, Ebay und Co. beherbergt und somit auch etliche Expats anzieht, die dann auch dankbar auf der Konferenz ein zuhause finden. Finde ich gut. Um so internationaler, umso besser.

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TALKS
Das Single-Track Prinzip finde ich weiterhin sehr sinnvoll, alles andere ist meist leider einfach zuviel (s.a. die re:publica). Die Talks waren gut zeitlich aufgebaut, ca. 45 Minuten plus 15 Minuten Q&A – nach ca. zwei Talks gab es jeweils Pausen. Das fand ich alles prima.

CONS
Leider war der Mix, also die Dramaturgie der Talks meiner Meinung nach, nicht gelungen. Die ersten beiden Talks waren für den Eröffnungstag gut gewählt, danach faserte es für mich leider zu sehr aus. Natürlich fand ich die Sachen von ua. Felix, kurzgesagt.de, Stef und Marshall inspirierend und spannend, aber dafür muss ich nicht extra nach München anreisen zu einer UX Konferenz, die in meinen Augen doch die “Nische” bedienen soll.
Würde ich über den Tellerand schauen wollen, dann fahre ich zur @btconf. Möchte ich kreativen Input, dann fahre ich zur TocaMe (auch München) Möchte ich quatschen, dann fahre ich zu den diversen Barcamps. Aber in München war ich, um mehr über UX/UI, Prototyping/Wireframing, Showcases, Erfahrungen von gestandenen Designern /Developern zu hören, da genau diese Lücke gefüllt werden sollte. Das Thema “Agile/Lean UX/Branding” kam leider kaum zur Sprache. Schade …

Die beiden “Last Talks” an Tag 1 und 2 fand ich auch nicht passend: Den Vortrag von Eric Spiekermann kannte ich bereits von der btconf. Ich schätze, als gelernter Schriftsetzer sein Oeuvre sehr – aber wäre es nicht vielleicht doch spannender gewesen, jemand aus einem aktuellen “UX-Lead” Umfeld zu holen, bzw seine Mitarbeiter bei edenspiekermann, die ja angeblich genau das praktizieren? lean branding, lean UX, markenaufbau/design in agilem umfeld, usw.

Auch hier muss ich erneut Marcs btconf sehr loben. Schafft sie doch diesen Spagat jedes Mal fast perfekt. In München ging es mir für meinen Geschmack zu sehr um Namedropping. Leider auch bei Vitaliys Vortrag: Er war weder visionär, noch nachdenklich, noch “vorausschauend” – sondern alles wieder nur erstaunlich selbstzentriert. Er sollte sich entscheiden, ob er etwas zu seinem digitalen Nomadentum, zu Geschichte von Smashing Mag oder zu neueren  Frontend-Kram erzählt – aber bitte nicht alles durcheinander und in meinen Augen ohne jeglichen Bezug zum Thema der Konferenz. Schade. Als „letzter Talk“ einer Konferenz nicht sinnvoll.

PROS
Aber genug kritisiert; gerade der zweite Tag entschädigte mit sehr guten Talks und deutlichem “Mehrwert” für mich. Wie sich herausstellte, wurden (fast) alle für mich spannenden Talks von Frauen gehalten. Go, figure! Wie das wohl kommt? Waren sie besser vorbereitet? Sie sprachen jedenfalls ohne Ausnahme weniger über sich selber und glänzten dafür um so mehr mit inhaltlicher Relevanz.

Hier also diejenigen Talks, die ich zur Nachbereitung empfehlen kann:

Rachel Ilan Simpson  – Unboxing UX, Prototyping for Engineers
Tiffany Conroy – Lions and tigers and handling user capabilities
Cath Richardson – User needs not government needs.
Andy Budd – The UX of User Experience
Denise Jacobs –  Banish your Inner Critic

Der Vortrag von Rachel war genau das, für was ich da war! Einblicke und Erfahrungswerte aus dem Google Chrome UX Team, Workflows, Tools, Learnings und alles top präsentiert! Pop App und Keynotopia als Empfehlung.

Cath´s Vortrag war beeindruckend, weil er ein Riesenprojekt vorstellte: Die Seiten der britischen Regierung, bzw. der Services aufzubauen, umzubauen und nach und nach UX-technisch zu verbessern ist sehr spannend Den Vortrag werde ich mir nochmal in Ruhe anschauen.

Tiffanys Vortrag war auch gut, weil er ein konkretes Problem in fast jeder App in jedem CMS behandelte: Die Rechteverwaltung der User. Er lieferte eine ganze Reihe sehr guter Punkte und Hinweise, was ich mir noch gewünscht hätte, wären einige konkrete “Best Practice” Vorschläge für den Look des Backends gewesen.

Andy Budds Versuch einer Begriff Definition, was “wir” den jetzt sind (Designer? Developer? Frontend? UX-Designer? Interaction Designer? Webdesigner? …) fand ich sehr spannend, auch weil wir bei Blanko gerade neue Visitenkarten machen und am diskutieren waren, was man als Titel drauf schreibt.
Seine Lösung “Digital Product Designer” ist allerdings nicht so meins … dann doch lieber wie Google einfach “nur” “Interaction Designer” schreiben.

Denise´s Vortrag war sehr spannend und “anders” – ging es doch darum seinen inneren Kritiker näher kennenzulernen und Taktiken, Iihn zu benutzen und nicht von ihm benutzt zu werden. Ich fand es sehr gut, weil ich denke, jeder kennt die Blockaden, die man sich selber aufbaut – sei es bei der (kreativen) Arbeit oder im Privatleben.

BLANKO
Für uns als Team von Blanko war es ein sehr gelungener Ausflug. Neben den Konferenzinhalten habe es eine ganze Menge Möglichkeiten, über die eigene Arbeit nachzudenken und der Teamzusammenhalt wurde durch die Exkursion gefördert. Ausserdem gab es viel gutes (Craft)Bier in München zu kaufen und zu trinken!

Natürlich gab es nur König Pilsner zu trinken!

 

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TAKE AWAY
Eine gute und empfehlenswerte Konferenz, top Infrastruktur, tolles freundliches Volunteer-Team, schöne gemischte Crowd und Vortragende, gutes Timing der Pausen. Die Dramaturgie der Talks und die Inhalte in Bezug auf UX/UI/Interaction Design sind noch ausbaufähig.

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